Mit Wis­sen­schaft von der Hal­tung zum Engagement 

Jun­ge Men­schen im Sport über Social Media für Enga­ge­ment und Teil­ha­be zu begeis­tern, hat sich das Pro­jekt „Sport schafft Wer­te“ auf die Fah­nen geschrie­ben. TEAM Sport-Bay­ern arbei­tet dazu eng mit Stu­die­ren­den im Schwer­punkt Medi­en­ma­nage­ment zusammen.

Nichts ist so kon­stant wie der Wan­del: Dies gilt für den Sport wie auch für das Medi­en­nut­zungs­ver­hal­ten ins­be­son­de­re der jun­gen Gene­ra­tio­nen Z und Alpha. Was heu­te die 12- bis 25-Jäh­ri­gen inter­es­siert, hat die Stu­die „Gen Z und Alpha decoded“ unter­sucht, die die iconkids& youth inter­na­tio­nal rese­arch GmbH im Auf­trag von X:PLR media in bava­ria durch­ge­führt hat. „Um die­sen Wan­del zu ver­ste­hen und Medi­en­an­ge­bo­te zukunfts­fä­hig zu gestal­ten, ist es uner­läss­lich, die Per­spek­ti­ven sowohl der jun­gen Nutzer/innen als auch der Medi­en­schaf­fen­den zu beleuch­ten“, heißt es in der Stu­die. Es gehe um die Anfor­de­run­gen jun­ger Gene­ra­tio­nen an Medi­en und um die stra­te­gi­schen Anpas­sun­gen, die Medi­en­an­bie­ter, zu denen auch Sport­ver­bän­de und ‑ver­ei­ne gehö­ren, vor­neh­men müss­ten, um rele­vant zu bleiben.

Dazu gehört ins­be­son­de­re, authen­tisch und „relata­ble“ sein, also an die jun­ge Lebens­welt anzu­do­cken und Nähe zu erzeu­gen. Kom­mu­ni­ka­ti­on soll­te Ori­en­tie­rung geben, die Welt über­sicht­li­cher machen und Ein­ord­nung geben. Was gar nicht ankommt ist, jun­ge Men­schen zu unter­schät­zen, zu beleh­ren oder sich bei ihnen krampf­haft anzu­bie­dern („crin­ge“). „Unecht­heit“ und künst­li­che Jugend­spra­che wir­ken abschre­ckend. Hal­tung zei­gen kommt hin­ge­gen laut der Stu­die gut an: Jun­ge Men­schen schät­zen kla­re Mei­nun­gen und Standpunkte.

Hier setzt das vom Bund geför­der­te Pro­jekt „Sport schafft Wer­te“ von TEAM Sport-Bay­ern an. Im Mit­tel­punkt steht, demo­kra­ti­sche Kul­tur im Ver­ein nicht nur abzu­si­chern, son­dern ins­be­son­de­re auch in struk­tur­schwa­chen Räu­men emo­tio­nal erleb­bar zu machen. Da sind alle Gene­ra­tio­nen ange­spro­chen, ins­be­son­de­re aber auch jun­ge Men­schen, die über das Pro­jekt nicht nur erreicht, son­dern aktiv ein­ge­bun­den wer­den sol­len. „Dazu brau­chen kei­ne neu­en Appel­le, son­dern neue media­le Zugän­ge“, sagt Eva Straub, Pro­jekt­ver­ant­wort­li­che von „Sport schafft Wer­te“ und stell­ver­tre­ten­de TSB-Vor­sit­zen­de. „Jun­ge Men­schen enga­gie­ren sich für und im Sport, wenn sie mer­ken: Mei­ne Stim­me zählt und mei­ne Wer­te fin­den hier Platz.“

Hand in Hand mit der Wissenschaft

„Wer weiß am bes­ten, wie man jun­ge Men­schen erreicht?“, frag­te sich das Pro­jekt­team rund um Eva Straub. Die Ant­wort war ein­fach: „Jun­ge Men­schen in Sozia­len Netz­wer­ken“. Und die fand TSB im soge­nann­ten „M3VE“-Team vom Mas­ter­stu­di­en­gang Mar­ken- und Medi­en­ma­nage­ment der Tech­ni­schen Hoch­schu­le Würz­burg-Schwein­furt (THWS). Unter Lei­tung von Prof. Dr. Thi­lo Büsching setz­ten im Win­ter­se­mes­ter 2025/26 sechs Stu­die­ren­de eine KI-gestütz­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­struk­tur für die Sport­ver­bands- und Ver­eins­kom­mu­ni­ka­ti­on auf ihren Stu­di­en­plan. Das Ziel: die Ent­wick­lung von nach­hal­tig nutz­ba­ren Tem­pla­tes für Sto­rytel­ling und Video­um­set­zung ins­be­son­de­re auf Insta­gram, Face­book (und optio­nal spä­ter auch auf Tiktok).

Da traf es sich gut, dass die Masteranden/Masterandinnen selbst lang­jäh­rig im Ver­eins­sport aktiv sind oder waren, sei es im Fuß­ball, Bal­lett, Vol­ley­ball, Hip­hop oder Cheer­lea­ding. Damit deck­te die Grup­pe zum einen selbst ein brei­tes Sport­spek­trum ab und war zum ande­ren bereits aus eige­ner Erfah­rung mit Wer­ten und Erwar­tungs­hal­tun­gen an Leis­tung, Team­play und Fair­ness­ge­bo­ten, aber auch mit Fra­gen rund um Dis­kri­mi­nie­rung, Gewalt- und Extre­mis­mus-Prä­ven­ti­on vertraut.

Für die ange­hen­den Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Mar­ken-Exper­tin­nen und ‑Exper­ten ging es in die­ser außer­ge­wöhn­li­chen Zusam­men­ar­beit mit dem orga­ni­sier­ten Sport um gesell­schaft­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on jen­seits von „Küche & Kühl­schrank ver­kau­fen“. Dazu galt es, demo­kra­ti­sches Ver­hal­ten in Sport­ver­ei­nen zu iden­ti­fi­zie­ren und sicht­bar machen und ers­te, auf die Gene­ra­ti­on Z und Alpha zuge­schnit­te­ne Con­tent-For­ma­te (Posts, Vide­os, Key Visu­als) zu pro­du­zie­ren. Idea­ler­wei­se sol­len die­se für die TSB-Mit­glieds­ver­bän­de bay­ern­weit ein­setz­bar sein und so dazu bei­tra­gen, demo­kra­ti­sche Wer­te in Ver­ei­nen zu stärken.

Aus der Pra­xis für die Praxis

Und das alles nicht abs­trakt und auf der Theo­rie­ebe­ne, son­dern – ganz im Gegen­teil – sehr leben­dig und authen­tisch aus Sport­ler­per­spek­ti­ve mit kon­kre­tem Bezug zum All­tag in Ver­eins­sport und Gesell­schaft, ganz ohne erho­be­nen Zei­ge­fin­ger und Ober­leh­rer­haf­tig­keit, dafür mit viel Spaß und Kreativität

„Ver­ei­ne sind idea­le Lern­or­te für Wer­te wie Respekt, Fair­ness oder Soli­da­ri­tät“, betont Pro­fes­sor Büsching. „Uns war wich­tig, nicht über Wer­te zu spre­chen, son­dern sie in Geschich­ten zu erzäh­len.“ Ent­stan­den sind unter­schied­li­che Sto­ry­li­nes für Video­clips, in denen Sportler*innen all­täg­li­che Wer­te wie Team­geist oder Respekt in sport­li­chen Sze­nen ver­kör­pern und die­se dann in All­tags­si­tua­tio­nen außer­halb des Sports über­tra­gen und glaub­haft weiterleben.

„Mehr als Kickboxen“

Den pro­fes­sio­nell pro­du­zier­ten Video­clip stell­ten die Stu­die­ren­den des Win­ter­se­mes­ters 25/26 bei ihrer Abschluss­prä­sen­ta­ti­on im Base­ball-Lan­des­leis­tungs­zen­trum in Regens­burg vor. Was in der Sto­ry „Mehr als Kick­bo­xen“ auf den ers­ten Blick wie ein klas­si­sches, action­rei­ches Trai­nings­vi­deo aus der Sport­hal­le wirkt, ent­puppt sich im wei­te­ren Ver­lauf als fein insze­nier­tes State­ment: Nach einer inten­si­ven Trai­nings­ein­heit sieht man den Sport­ler, wie er sei­nem Coach beim Auf­räu­men des Gym hilft und schließ­lich: Cut nach „drau­ßen“. Der Figh­ter im All­tag. Jetzt hilft er einem jun­gen Mann sei­ner Alters­klas­se, dem vorm Super­markt die Ein­kaufs­tü­te geris­sen ist, beim Ein­sam­meln sei­ner Ein­käu­fe. Här­te trifft auf Empa­thie und Hilfs­be­reit­schaft. Aus dem har­ten Kick­box-Fight wird Nach­bar­schafts­hil­fe. Fair­play, Welt­of­fen­heit und Respekt rei­chen sich die Hand.

„Vie­le den­ken beim The­ma Wer­te an gro­ße Wor­te und abs­trak­te Dekla­ra­tio­nen, aber Wer­te ent­ste­hen in klei­nen Momen­ten“, sagt Eva Straub. „Wir zei­gen mit den Stu­die­ren­den, wie genau die­se Momen­te jun­ge Men­schen für Ver­ant­wor­tung und Gemein­schaft begeis­tern können.“

Social Media als Brü­cke zur Teilhabe

Die im Pro­jekt ent­stan­de­nen Social-Media-Bei­trä­ge sol­len nach dem Wil­len der Mache­rin­nen und Macher nicht nur Auf­merk­sam­keit bei jun­gen Ziel­grup­pen der Gene­ra­ti­on Z und Alpha erzeu­gen, son­dern auch Iden­ti­fi­ka­ti­on ermög­li­chen, mit dem Ver­ein, mit dem Sport und vor allem mit einem Wer­te­ver­ständ­nis, das jun­gen Men­schen Anschluss an ihre Lebens­rea­li­tät bie­tet. „Vie­le jun­ge Men­schen enga­gie­ren sich nicht, weil sie das Ehren­amt nicht schät­zen, son­dern weil sie sich nicht gemeint füh­len“, erklärt Prof. Büsching. „Wenn wir ihnen zei­gen: Dei­ne Hal­tung zählt, dein Bei­trag ist gefragt – dann ent­steht Bin­dung.“ Hier könn­ten sozia­le Medi­en eine wich­ti­ge Rol­le spie­len: als Platt­form für Sicht­bar­keit, als Kanal für Dia­log, als Brü­cke zwi­schen All­tags­welt und Vereinsstruktur.

Vom Pilot zur Perspektive

TEAM Sport-Bay­ern will die Ergeb­nis­se aus der Hoch­schul­ko­ope­ra­ti­on wei­ter­tra­gen und im wei­te­ren Pro­jekt­ver­lauf bis 2029 ver­ste­ti­gen: Mit der Medi­en- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft, in Work­shops, in digi­ta­len Play­books für Ver­ei­ne, in Schu­lun­gen und loka­len Events zur Wer­te­kom­mu­ni­ka­ti­on. Das Ziel: Ein Werk­zeug­kas­ten für demo­kra­ti­sche Ver­eins­ent­wick­lung, der nicht nur auf dem Papier funk­tio­niert, son­dern auf dem Platz, in der Hal­le, im Ehren­amt. Die „Gen Z und Alpha“-Studie weist hier den Weg: „Erfolg­rei­che Anspra­che gelingt beson­ders durch radi­ka­le Rele­vanz für die Lebens­welt, Nut­zung der Platt­form­lo­gik und das Erzäh­len in der jeweils platt­form­spe­zi­fi­schen Spra­che. Der ‚Hook‘, also ein star­ker, sofort fes­seln­der Ein­stieg, ist ent­schei­dend, um Auf­merk­sam­keit in der schnell­le­bi­gen digi­ta­len Umge­bung zu gewähr­leis­ten.“ Für Eva Straub ist dabei der rich­ti­ge Con­tent ent­schei­dend: „Wer Wer­te zeigt, gewinnt Ver­trau­en. Und wer Ver­trau­en schafft, gewinnt Enga­ge­ment. Im Sport wie auch in einer frei­heit­li­chen, auf demo­kra­ti­schem Mit­ein­an­der gebau­ten Gesell­schaft. Bei Jung und Alt.“