Der Pitcher holt zum entscheidenden Wurf aus: ein Fastball, der wie ein Projektil auf die Mitte der Strikezone zuschießt. Der Schlagmann hat nur eine Millisekunde Zeit, schwingt den Schläger – „crack“: das Holz trifft perfekt auf das Leder. Der Ball fliegt in einer hohen Flugkurve weit über das Spielfeld, die Outfielder der Verteidigung haben keine Chance. Homerun! Der Schlagmann umrundet jubelnd die Base. Das Nachwuchsturnier in der Armin-Wolf-Baseball-Arena des Landesleistungszentrums Baseball erzählt an diesem sonnigen Nachmittag vor den Augen der Trainer und Scouts Baseball-Geschichten mit Gänsehautmomenten.
Die haben auch die Studierenden des Masterstudiengangs Marken- und Medienmanagement im Sinn. Vom Sportgeschehen in der Arena geht es direkt in die Seminarräume des Landesleistungszentrums, wo sie in einer Abschlusspräsentation ihre Ergebnisse zu filmischem Storytelling für das TSB-Projekt „Sport schafft Werte“ vor den Projektverantwortlichen und ihrem Studiengangsleiter Professor Dr. Thilo Büsching vorstellen.
Entwicklung in Schritten: Storytelling im Sport
Bereits im Wintersemester 2025/26 hatten Studierende erstmals untersucht, wie demokratische Werte im Sport durch emotionales Storytelling auf Social Media sichtbar gemacht werden können. Im Mittelpunkt standen damals Formatentwicklungen, Erzählstrukturen, Dramaturgie und erste KI-gestützte Kommunikationsansätze.
Die wichtigste Erkenntnis aus dieser ersten Projektphase: Werte lassen sich nicht vermitteln, indem man über sie spricht. Sie werden dann erlebbar und emotional tief verankert, wenn sie in authentischen Geschichten, sehr nah am Sport und der Welt seiner Akteure sichtbar gemacht werden. Genau hier setzte das zweite M3ve-Projekt im Sommersemester 2026 an.
Unter Leitung von Professor Büsching entwickelten fünf Masterstudentinnen die Grundlagen konsequent weiter. Unterstützt wurden sie dabei von Alexander Draheim, Lehrbeauftragter an der THWS und Mitgründer der Würzburger Filmproduktionsgesellschaft Boxfish.
Diesmal ging es für die Studierenden nicht mehr allein um die Frage, wie gute, glaubhafte und vor allem emotionale Sportgeschichten erzählt werden können. Sondern darum, wie sie gemeinsam mit den Sportarten selbst entstehen.
Der entscheidende Evolutionsschritt: Sportler werden Mitgestalter
Im Sommersemester wurden erstmals Sportfachverbände, Vereine und aktive Sportlerinnen und Sportler von Beginn an in die Entwicklung der Geschichten eingebunden. In diesem Fall die TSB-Mitglieder Bayerischer Baseball und Softball Verband sowie der Bayerische Ringerverband. Gemeinsam entstanden im Projektverlauf Storylines, Drehbücher und filmische Konzepte, die nicht von außen über den Sport erzählen, sondern aus dem Sport heraus entwickelt wurden.
Die Forschungsleitfrage blieb dabei anspruchsvoll:
Wie können demokratische Werte in Sport-Videos so inszeniert und vermittelt werden, dass sie im sportlichen, privaten und beruflichen Alltag bewusster gelebt werden und gleichzeitig die öffentliche Wahrnehmung des Sports stärken?
„Sportliche Authentizität ist entscheidend für den Erfolg einer Geschichte”, erklärt Prof. Dr. Thilo Büsching. „Je früher Fachverbände, Vereine und Athletinnen und Athleten in den kreativen Prozess eingebunden werden, desto glaubwürdiger werden die Inhalte und desto effizienter lassen sich die Inhalte filmisch umsetzen.”
Und genau diese enge Zusammenarbeit stand dann auch im Mittelpunkt der Abschlusspräsentation der Studierenden. Sie habe sämtliche Produktionsschritte geprägt: Von der Themenfindung bis zu den Dreharbeiten mit den Sportlerinnen und Sportlern. „Das war inhaltlich und menschlich-persönlich ungeheuer wertvoll und hat allen riesig Spaß gemacht“, befanden die Studierenden.
An insgesamt vier Drehtagen – drei davon im Bundesleistungszentrum Baseball und Softball in Regensburg sowie ein Produktionstag beim TSV 1862 Unterdürrbach – gingen die Filmcrew mit den Sportlerinnen und Sportlern ans Werk
KI wird zum Co-Trainer für gutes Storytelling
Parallel zur Filmproduktion entwickelten die Studierenden einen zweiten Baustein, der weit über dieses Projekt hinaus Wirkung entfalten soll.
Im Mittelpunkt steht das von Prof. Dr. Thilo Büsching entwickelte, wissenschaftlich fundierte Prompt-System ROCKETS+Q, das auf Basis von acht aufeinander aufbauenden Bausteinen kreative Prozesse strukturiert und reproduzierbar macht. Ergänzt wird dieses Framework durch das Perfect Story Modell 8×3, das Geschichten systematisch analysiert und weiterentwickelt.
Aus beiden Methoden entstand ein speziell für „Sport schafft Werte” entwickelter Custom GPT.
Für die filmische Umsetzung, das kreative konzeptionelle Werk und die in jeder Projektphase kooperative und sympathische Zusammenarbeit mit den Studierenden, ihrem Studiengangsleiter und den Filmprofis von Boxfish gab es am Ende der Abschlusspräsentation einen donnernden Applaus. Ein Nachwuchs-Baseballer, der als „Test-Zuschauer“ dazugeholt wurde, quittierte das Filmerlebnis kurz und messerscharf: „Bombe“ Homerun!
